Berg- und Naturverlag Rölke

Die Burg Hohnstein


Burg und Herrschaft Hohnstein

Über dem tiefeingeschnittenen Polenztal und dem östlich liegenden Bärengarten erhebt sich die Burg Hohnstein auf einem Felsplateau. In die von allen Seiten von Abgründen umgebene Burg gelangt man auf einer steinernen Brücke, die vom ansteigenden Hohnsteiner Markt über den ehemaligen Graben und durch das äußere Burgtor in die Vorburg führt. Einst befand sich an gleicher Stelle eine hölzerne Zugbrücke. Ein kursächsisches Wappen am äußeren Burgtor und ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus links der Brücke erinnern an die wechselvolle Geschichte, die verschiedenen Besitzer und die unterschiedlichen Bestimmungen der Burg Hohnstein.
Urkundlich erstmalig 1353 erwähnt, sind die Ursprünge der Burg Hohnstein jedoch vermutlich bereits um 1300 zu suchen. Als erste Besitzer treten die Berka von der Duba, ein stolzes böhmisches Adelsgeschlecht, in Erscheinung, die die Herrschaft Hohnstein von der böhmischen Krone zu Lehen hatten. Nach Norden grenzte die Herrschaft Hohnstein, die damals fast die gesamte Sächsische Schweiz umfaßte, das Gebiet der Berka von der Duba von dem der Markgrafen von Meißen ab. Die Burg Hohnstein war somit Grenzfeste.

Die Berka von der Duba waren ein rauf- und raublustiges Geschlecht, das oft mit seinen Nachbarn, den sächsischen Fürsten und den auf Stolpen residierenden Bischöfen von Meißen, in Fehde lag. So versuchten diese, das Gebiet der Berka in ihren Besitz zu bekommen. 1443 mußte Hinko Berka von der Duba gegen Zahlung von 570 Schock meißnischer Groschen und im Tausch gegen die Herrschaft Mühlberg an der Elbe die Herrschaft Hohnstein dem Wettiner Friedrich dem Sanftmütigen und dem Herzog Wilhelm überlassen.

Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte Hohnstein 1543 wieder an die Wettiner, in deren Besitz es in den nachfolgenden Jahrhunderten auch blieb. In dieser Zeit war Hohnstein kurfürstliches Amt und die Burg Sitz des Amtmannes. Hohnstein war im 16. und 17. Jh. auch bevorzugter Aufenthalt der sächsischen Kurfürsten, die sich hier mit der Jagd und dem Lachsfang vergnügten.

Das ebenfalls in der Burg befindliche Staatsgefängnis war weit und breit als "finsteres Loch voll Gestank, Unflat und giftigem Gewürm" gefürchtet, aus dem wohl mancher Insasse nicht wiederkehrte. Nach 1861 war in der Burg die Landeskorrektionsanstalt für arbeitsscheue Männer und später eine Außenstelle der Gefangenenanstalt Bautzen untergebracht.

In den Jahren zwischen 1925 bis 1933 erlebte die Burg Hohnstein ihre schönste Zeit als größte deutsche Jugendherberge, die aber ein abruptes Ende fand, als die Nazis die Burg in ein Konzentrationslager umwandelten. Während des Krieges war die Burg Kriegsgefangenenlager und nach dessen Ende Vertriebenenauffanglager. Seit 1949 steht die Burg wieder als Jugendherberge zur Verfügung, heute unter Regie des Touristenvereins "Die Naturfreunde".

Betritt man die Burg, gelangt man nach dem Eingangstor in einer großen Kehre zum 1525 errichteten Renaissanceschloß mit seinem sechsseitigen Turm, der auf einem z.T. überhängenden Felsen erbaut ist. Die zweite Zugbrücke führt durch das obere Burgtor in die Kernburg. Im Gangbereich erkennt man rechter Hand zwei mittelalterliche Schießscharten, der Stadt zugerichtet.

Ein lang ansteigender, zum Teil in den Felsen gehauener Gang, mündet in den oberen Burghof. Im vorletzten Bogen finden wir das Wappen der Berka von der Duba mit zwei sich kreuzenden, knorrigen Eichenästen. Der Name "duba" rührt vom slawischen "dub" her, was Eiche bedeutet.

Vor dem Austritt in den ursprünglichen oberen Burghof erkennt man links im Wandbereich den ausgeschlägelten Eingang zu einer düsteren Kerkerzelle sowie auf der gleichen Wandflucht die Zugänge zu kleineren Gewölben. Im überbauten Burgenbereich des 14. Jhs. tritt der herausragende wuchtige Bergfried mit im Untergrund vorhandenen Burgverliesen empor.

Am Ausgang des langen Ganges zeigt sich rechts im Hofbereich das Kornhaus mit Tonnengewölben, in denen in Gefahrenzeiten die Vorräte für die Burgbesatzung lagerten.

Der obere Burghof war Standort der alten Burganlage mit dem "Alten Schloß". Ihr gegenüber befand sich die erst 1951 abgebrochene spätgotische Burgkapelle. Eine Zisterne ist hier noch zu sehen.

Im 17. Jh. sind durch Feuereinwirkungen mehrere Gebäude der ältesten Burganlage vernichtet und zum Teil nicht wieder aufgebaut worden.