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Die Wasseramsel |
Mit schnellen Flügelschlägen fliegt ein starengroßer,
dunkelbrauner Vogel bachaufwärts, dabei mehrfach "zrb" rufend. Auf einem
aus dem Wasser ragenden Stein läßt er sich nieder und knickst erregt. Weiße
Kotkleckse am Landeplatz zeigen uns, daß er dort schon öfter saß.
Es ist eine Wasseramsel - schön zeigt sie uns ihren weißen
Brustlatz, welcher ihr im über die Steine sprudelnden Bachwasser eine gute
Tarnung ist. Die Wasseramsel, ihres lauten und aus verschiedenen Elementen
bestehenden Gesanges wegen auch Wasserschwätzer genannt, lebt an klaren,
schnellfließenden Berg- und Gebirgsbächen. Ihre Nahrung sucht sie - als einziger
Singvogel kann sie schwimmen und tauchen - am Grunde der Bäche. Dort läuft
sie mit leicht gespreizten Flügeln gegen die Strömung, um so auf dem Boden
zu bleiben, und sucht nach Wasserinsekten, Larven, Würmern und erbeutet hin
und wieder auch einen kleinen Fisch.
An den Bächen unserer Felsenheimat ist sie noch ein regelmäßiger Brutvogel und ihr Bestand, auf dreißig Paare beziffert, hat sich über Jahrzehnte hin konstant gehalten, eher vielleicht sogar erhöht. An der Polenz sind es ca. fünf Paare, gleichviel wohl an der Sebnitz und an der sächsischen Kirnitzsch derer etwa 12. Linkselbisch leben auf Grund der schlechterern Wasserqualität deutlich weniger Wasseramseln.
Schon im Januar singen die Männchen am eisigen Rand der Bäche und markieren so ihre Reviere, die etwa einen Kilometer Bachlauf umfassen, und werben um ein Weibchen. Mit der Schneeschmelze im März beginnt der Nestbau, in manchen Revieren über Jahrzehnte immer an der selben Stelle. Die Nester sind kugelig rund mit seitlichem Einschlupf und werden in Felslöchern, unter Brücken, in Mauern, selten an Bäumen, immer aber unmittelbar über dem Wasser, errichtet. Aus vier bis sechs weißen Eiern schlüpfen nach 15 - 16 Tagen Brutzeit die Jungen, welche nach knapp drei Wochen das Nest verlassen. In der Regel zeitigt ein Paar zwei Bruten im Jahr. Die flüggen Jungen hocken nach Verlassen des Nestes am Bachufer. Kommt ein Elternvogel mit Futter, wird er mit zitternden Flügelschlägen angebettelt. Das Federkleid der Jungvögel ist grauer, der Brustlatz gelblich und die hellen Federränder verleihen ihnen ein schuppiges Aussehen.
Nach ein paar kurzen, aber lauten Gesangsstücken fliegt die Wasseramsel weiter. Sie folgt dabei fast immer dem Wasserlauf. Wir hören noch mehrere Male den bezeichnenden Flugruf, ohne welchen wir den Vogel mit dem weißen Brustlatz sonst leicht hätten übersehen können.