Die touristische Erschließung des Gohrischsteins

Die ersten Besteigungen des Gohrischsteins erfolgten in Kriegszeiten, z.B. um 1639, als der unzugängliche Felsen als Zufluchtsort aufgesucht worden ist, worauf z.B. der Name „Schwedenhöhle“ für eine kleine Klufthöhle verweist.

Die touristische Erschließung der Sächsischen Schweiz hatte schon längst begonnen, da lag der Gohrisch noch abseits der bekannten Fremdenwege. Der steile, nicht ausgebaute Aufstieg sowie das zerrissene und dadurch nicht ungefährliche Felsplateau des Gohrischsteins hatten die Besucher von einer Besteigung abgehalten. So wurde der Gohrisch 1886 als einer der letzten Tafelberge touristisch erschlossen, wobei sich der Königliche Oberförster Emil Grünewald (1842-1892) aus Cunnersdorf besonders verdient machte. Er ließ die drei heute noch begangenen Aufstiege anlegen, wobei der Gebirgsverein für die Sächsisch-Böhmische Schweiz maßgebliche Unterstützung leistete. Zahlreiche Stufen wurden in den Stein gemeißelt, kleine Brücken gebaut und zwei „Felsengassen“ künstlich erweitert und begehbar gemacht. Vor 200 Gästen wurden am 13. August 1886 die Wegeanlagen feierlich von Oberförster Grünewald eröffnet.

Zwei Jahre später, 1888, beabsichtigte der Verschönerungsverein Cunnersdorf auf Anregung von Grünewald den Bau einer Schutzhütte. Der Plan wurde noch im selben Jahr realisiert und so empfing die achteckige Hütte alsbald die Gäste. Im Stile der Zeit waren die Außenwände mit Fichtenrinde verkleidet, die kleinen Fensteröffnungen versah man mit farbigen (!) Glasscheiben. Fast sieben Jahrzehnte bestand dieses kleine Bauwerk. Schadhafte Teile wurden immer wieder ausgewechselt, wobei sich Gebirgsverein, Forstverwaltung und Gohrischer Einwohner beteiligten.

Nach dem Kriegsende 1945 und dem Verbot des Gebirgsvereins verfielen die Wege und auch die Hütte immer mehr. Im Jahre 1955 wurden die Wegeanlagen durch Einwohner der Gemeinde Gohrisch wieder hergestellt, die Schutzhütte fand schon keine Erwähnung mehr. In der DDR-Zeit fanden sich immer wieder Idealisten, die Pfade, Stufen und Wegweiser instand hielten.

Der 1990 wiedergegründete Gohrischer Gebirgsverein setzt die Traditionen fort und bemüht sich seitdem um eine Vielzahl touristischer Belange. Er ehrte 1992 auch den Erschließer des Felsens, Oberförster Grünewald, anläßlich seines 100. Todestages mit der Errichtung einer ihm gewidmeten Steinbank in der Nähe der Einganges der Falkenschlucht.

1998 war wieder ein bedeutsames Jahr für den Gohrischstein, denn im Frühjahr schafften über fünfzig freiwillige Helfer Baumaterial für eine neue, diesmal sechseckige Schutzhütte auf den Felsen, die am alten Standort wiederentstand. Möge ihr eine ebenso lange Haltbarkeit wie dem Vorgängerbau beschieden sein, gemäß dem Wortspiel des Weihespruchs Oberförster Grünewalds: „Dem Schutze des und zum Schutze durch den Wanderer empfohlen.“



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