Der Aufstieg Gohrischs zu einem führenden Kurort

Der Inhaber des Erbgerichts, Adalbert Hauffe, gilt als Wegbereiter des touristischen Aufschwungs in Gohrisch, seit er 1869 die ersten Gäste begrüßte. Von diesem Jahr an folgte ein Wandel vom Bauerndorf zur „Sommerfrische“, wie ihn kaum ein anderer Ort der Sächsischen Schweiz vollzog.

Ein Blick zurück soll Gohrischs Geschichte beleuchten: Wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung durch fränkische Bauern, wenn auch der Name Gohrisch auf den altslawischen Ursprung „gora“ zurückgeführt wird, und der Ortsname etwa „Dorf am Berg“ bedeutet. Die früheste urkundliche Erwähnung fand Gohrisch 1437, als böhmische Raubritter wiederholt in mehreren Orten plündernd und brandschatzend einfielen und „in dem dorffe Gorusch“ Vieh raubten. Das Gebiet um die Hirschkequelle, auch Dorfbrunnen genannt, gilt als Ursprung der Besiedlung. Über viele Jahrhunderte hinweg besaß das kleine Dorf nur eine geringe Bedeutung. 1840 gab es lediglich 117 Einwohner.

Weder die Dampfschiffahrt ab 1837 noch der Bau der Eisenbahn 1851 brachten, wie in anderen Orten, eine einschneidende Veränderung, erst mit dem Impuls Hauffes 1869 begann der Aufstieg Gohrischs zu einem führenden Kurort. Hauffe, der selbst zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre in Gohrisch wohnte, erkannte als erster die Möglichkeit, mit dem Tourismus auch in einem verschlafenen Bauerndorf Geld zu verdienen.

Die klimatisch günstige, staub- und elbnebelfreie Lage begünstigte den raschen Aufschwung. Bereits 1875 bezeichnete sich Gohrisch als „Sommerfrische und klimatischer Luft-Kurort“ und wurde vom Reichsgesundheitsamt als „hervorragend“ eingestuft. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jhs. setzte eine rege Bautätigkeit ein und der Häuserbestand des Ortes verdoppelte sich, wobei das rein bäuerliche Element zunehmend verdrängt wurde. 1910 zählte man in Gohrisch bereits 674 Einwohner. Die Einrichtung des Schwimmbades 1935 führte zu einer weiteren Belebung des Fremdenverkehrs.

In den 50er Jahren beschloß die Regierung der DDR, ein Gästeheim des Ministerrates in einem parkartigen Waldgelände zu errichten. Prominente Persönlichkeiten wie der Komponist Dmitri Schostakowitsch weilten als Gäste in dem ehemals abgeschirmten Areal.

Gleich nach der Wende wurde Gohrisch gemeinsam mit Wachau bei Radeberg 1990 das erste „Förderdorf“ Sachsens und erhielt für die Gestaltung des Geländes um den Dorfteich Fördermittel aus Baden-Württemberg.

1994 eröffnete ein Mutter-Kind-Kurheim des Müttergenesungswerkes der Ev.-Luth. Landeskirche, 1997 wurde das erneuerte Kurmittelhaus eingeweiht. Seit dem 25. April 2000 kann sich Kurort Gohrisch offiziell der 1. Luftkurort Sachsens nennen.



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