Vorgeschichte des Elbsandsteingebirges

Die älteste Geschichte des Elbsandsteingebirges verbindet sich bei vielen vor allem mit den Felsenburgen oder der mittelalterlichen Kolonisation. Weitaus geringer und weniger bekannt sind dagegen die Spuren jener Menschen, die vor Tausenden von Jahren hier durchzogen, sich kürzer oder länger aufhielten, siedelten oder lebten.

Die ältesten Jäger Europas

Die Felsenwelt der heutigen Böhmisch-Sächsischen Schweiz haben schon in der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) vor annähern achttausend Jahren kleine Gruppen von Jägern und Sammlern bewohnt. Es wird angenommen, daß ihre Lebensweise ähnlich war wie bei den Waldindianern Nordamerikas vor der Ankunft der Europäer. Ihre Werkzeuge und Waffen bestanden aus Holz, Knochen, Feuerstein oder Quarzitgestein. Es waren kleine Gruppen von Menschen, die in dieser Fels- und Waldwildnis gejagt haben und sich unter den Felsüberhängen Rastplätze errichteten. Die Funde aus dieser Zeit sind geringfügig und für einen Laien wertlos. Dem Forscher können aber die Knochensplitter, Feuersteinabschläge und verkohlten Holzreste bemerkenswerte Erkenntnisse bringen.

Die ältesten Landwirte

Die Felsüberhänge der niedrigeren Lagen wurden auch von den ersten Landwirten als Unterschlupf genutzt. Die ältesten Funde im Elbsandsteingebirge stammen aus der Zeit vor rund fünftausend Jahren. Die jungsteinzeitlichen Landwirte begannen als erste das Landschaftsbild zu ändern. Auf abgeholzten Flächen legten sie Felder und Weideplätze an. Anfänglich benutzten sie noch steinerne Werkzeuge und Waffen, später lernten sie Kupfer, Bronze und Eisen zu verarbeiten und erzeugten bereits Tongefäße.

Mittelalterliche Burgen und Befestigungen

Vor ca. 1000 Jahren war die Sächsisch-Böhmische Schweiz Grenzgebiet dreier slawischer Gaue. Der Gau Nisane (ostelbisch von Dresden bis Pirna), der Gau Milzane (heutige Oberlausitz) und im Süden der Gau Dacine prägten die damalige politische und ökonomische Landschaft.

Als im 13.Jahrhundert die deutsche Besiedelung begann, kam es zur systematischen Rückdrängung des böhmischen Einflusses und zahlreichen lokalen kriegerischen Auseinandersetzungen um die strategisch wichtigen Festungsanlagen. Diese Anlagen dienten in erster Linie der Grenzsicherung und der Sicherung der Verkehrswege. Aufgrund nicht vorhandener Zentralgewalt wurde diese "Schutzfunktion" durch die ansässigen Rittergeschlechter wahrgenommen. Durch eine fortschreitende Zergliederung der Einflussbereiche aufgrund Erbteilung, war das wirtschaftliche Gleichgewicht in der Region nicht mehr gegeben. Zahlreiche Trutzanlagen verkamen zu Raubritterburgen.
Erst die Machtübernahme zahlreicher Burgen durch die Wettiner Mitte des 16. Jahrhunderts machten diesem Treiben ein Ende.
Heute bereitet es ein grosses Vergnügen, die teilweise noch gut erhaltenen Burganlagen zu besichtigen bzw. verfallene Felsfestungen in anstrengenden Klettertouren zu erklimmen.




Hier eine Auswahl der Burganlagen:
Sachsen:
Hohnstein, Hockstein, Neurathen, Altrathen, Königstein, Lilienstein, Falkenstein, Frienstein, Rauschenstein
Böhmen : Schauenstein, Falkenstein, Kreibitzer Burg, Tollenstein, Khaaer Burg, Schönbuch

Historische Datenbank

Auch in späteren Zeiten dienten die Felsüberhänge nicht nur als Unterschlupf vor der Witterung, sondern auch vor Feinden. Die Menschen im Mittelalter hinterließen größere „schmutzige“ Schichten mit Knochensplittern, teilweise auch mit Keramikscherben. Die letzte neuzeitliche Schicht ist die stärkste. Sie durchdringt und zerstört die unteren älteren Schichten. Oft ist sie voller vergrabenem Müll wie Konserven und Hüllen aus Glas oder Kunststoff. „Ordnungsliebende“ Besucher der Felsüberhänge entsorgen sich so ihres Abfalls. Dadurch vernichten sie die nacheinander entstandenen Schichten, die für die Fachleute eine „historische Datenbank“ darstellen.