Boofen - Freiübernachtung im Gebirge



Boofenschild

Der Begriff "boofen" wurde im Laufe der Jahre umgangssprachlich von "pofen" (schlafen) abgeleitet. Bei einer "Boofe" handelt es sich um eine Freiübernachtungsstelle (Höhle oder Felsüberhang) für Kletterer und Bergsteiger. Bis vor wenigen Jahren waren viele Boofen noch liebevoll ausgebaut und mit einer Feuerstelle versehen. Aufgrund des Nationalparkstatus ist es inzwischen grundsätzlich verboten, Feuer zu entfachen. Ein rücksichtsvolles Verhalten gegenüber der sensiblen Natur ist die wichtige Voraussetzung für das Fortbestehen dieser naturnahen Tradition.

Im Bereich des Nationalparks Sächsische Schweiz gibt es 57 offiziell zugelassene und entsprechend ausgewiesene Boofen (siehe Boofenliste). Man erkennt die erlaubten Boofen einfach am gut sichtbar montierten Hinweisschild "Freiübernachtungsstelle" (siehe Foto). Bis heute hat sich aber auch eine gewisse Boof-Kultur erhalten. Die "Sitzgruppe" besteht meist aus dicken Baumstämmen, die im Rechteck platziert sind. Unrat wird stets von den Boofern und Wanderern mit ins Tal gebracht. Die abendlichen Teelichter lassen entsprechende Romantik aufkommen, auch wenn es zum Wurstgrillen nicht reicht. Rotwein fließt meist in Strömen.
Im Landschaftsschutzgebiet Elbsandsteingebirge, welches die umliegenden Gebiete der Nationalparkregion umfasst, ist das Freiübernachten erlaubt (allerdings kein Zelten, außer an Biwakhütten am Forststeig). In Naturschutzgebieten, wie der Pfaffenstein, gelten ähnliche Regeln wie im Nationalpark.

Böse Überraschungen

Seit DDR-Zeiten (und wahrscheinlich schon vorher) wird das Boofen vom Staat und verschiedenen Behörden "misstrauisch beäugt". Im Krieg waren es Wehrdienstverweigerer oder Widerstandskämpfer, danach waren es junge Leute, die dem DDR-Alltag oder dem "eingesperrt sein" entfliehen wollten und heute sind es wieder junge und jung gebliebene Zeitgenossen, die dem Tourismus- und Medien-Mainstream für sich selbst etwas zutiefst menschliches entgegensetzen wollen - nähmlich ein unverfälschtes, kommerzfreies Naturerlebnis.
Aber früher, wie heute muss man auch mit (nicht immer) von Menschen verursachten, Problemen rechnen. Die aktuelle Situation durch eine jahrelange Borkenkäferplage führt inzwischen zu teilweise und vollständigen Waldsperrungen. Viele Jahre wurde der Borkenkäfer als "Helfer" beim natürlichen Waldumbau geduldet (siehe Schautafel am Reitsteig) und jetzt leidet der Wald selbst, der Tourismus in der Region und letzten Endes jeder Forstarbeiter. Auch wenn die Käferplage endet, ist der Wald in extremer Gefahr. Der Windbruch bei toten Bäumen, die Ausspülung jetzt ungeschützter Felshänge sowie die potentielle Gefahr von Waldbränden im "urwaldbelassenen" Totholz, richten weiteren Schaden an.
Das soll aber keinen Boofer abschrecken, diese schöne Tradition fortzuführen. Es ist einfach selbstverständlich, dass sich jeder an die Boofregeln hält und ansonsten Vernunft walten lässt. Man ist gut beraten, vor dem Boofen nochmal die Informationen der Nationalparkverwaltung zu eventuellen Sperrungen zu lesen. Rauchen im "furztrockenen" Wald ist auch keine gute Idee.
In den vergangenen Jahren wurden bei den (glücklicherweise seltenen) Waldbränden durch die Medien meist die Boofer als Ursache angegeben. In den meisten Fällen waren es aber nur Vermutungen (mit anschließenden Dementi). Also verhaltet Euch achtsam im Wald aber selbstbewusst bei Anfeindungen. Die Sache macht einfach zu viel Spaß !

Historie

In der Vergangenheit (vor 1945 bis ins Mittelalter) waren die Höhlen und Grotten im Elbsandsteingebirge eher keine romantischen Orte. Sie dienten teilweise Räubern und Wegelagerern als Unterschlupf für Raubzüge und Überfälle auf die Handelswege zwischen Sachsen und Böhmen. Die Idagrotte am "Vorderen Raubschloss" bezeugt ja schon im Namen eine bewegte Vergangenheit.
Das zweitgrößte Felstor im Elbsandsteingebirge, der "Kuhstall", fand erstmals 1410 Erwähnung. Herinrich Berka von der Duba (böhmischer Uradel) erbte das Herrschaftsgebiet Wildenstein. Diese Burg befand sich auf dem Neuen Wildenstein, zu der auch das Felstor "Kuhstall" gehörte. In diesem riesigen Steintor wurde das von den Untertanen geraubte Vieh untergebracht. Diesem Raubrittertum wurde aber 1451 durch die Wettiner ein Ende bereitet. Während des 30-jährigen Krieges war das Felstor für die Bauern ein wichtiges Versteck für ihr Vieh. Marodierende schwedische Soldaten fielen wiederholt in die sächsischen Bergdörfer ein.
In der Zeit des Naziregimes versteckten die "Roten Bergsteiger" (Vereinigte Kletterabteilung) eine Druckmaschine in der Höhle am Satanskopf. Hier stellten sie Flugblätter und eine illegase Zeitung her. In der Siebenschläferboofe versteckten sich in den letzten Kriegsmonaten junge Männer, die der Einberufung entgehen wollten.

Das Freiübernachten in Boofen wurde aber schon mit Beginn der Kletterei im Elbsandstein immer beliebter. Es gab in vielen Klettergebieten des Gebirges kaum Unterkünfte. In den Jahren nach 1950 wurde die Villa Fernblick zu einer der legendärsten Boofen im Elbsandsteingebirge. Die Oktoberboofe wurde vom 7.Oktober 1960 bis zum Frühjahr 1961 von der Seilschaft G.Hesse, I.Hesse, K.Kießling, H.Wagner sowie J.Wiehe erbaut. Anfänglich aus Liebe zur Sächsischen Schweiz errichtet, erlangte sie nach dem Mauerbau im Sommer 1961 immer mehr Bedeutung als Zufluchtsort vor dem sozialistischen Alltag. Die sogenannte Max und Moritz Boofe wurde wahrscheinlich von Grenzsoldaten der ehemaligen NVA angelegt. Sie war schwer erreichbar. Als eine der am besten ausgebauten Boofen mit super Aussicht galt die Villa Bärenhaut. Doch alle Boofen erlitten das gleiche Schicksal ... sie wurden abgerissen.
(Texte und Bild mit freundlicher Genehmigung des Klettervereins Fernblick leicht angepasst)