Die zweite Etappe des Malerweges beginnt am Marktplatz von Wehlen.
Von dort führt die Route zunächst über die Meinickestraße unmittelbar an der Elbe entlang. Bereits zu Beginn bietet sich ein schöner Blick auf das Basteimassiv, während man von der Bastei später auf Wehlen zurückblicken kann. Besonders reizvoll ist das Motiv, wenn gerade ein Elbdampfer vor der eindrucksvollen Uferlandschaft vorbeifährt.
Auf der Meinickestraße verläuft gleichzeitig der Elberadweg. Beim Wechseln der Straßenseite ist deshalb entsprechende Vorsicht geboten. Nach ungefähr 500 Metern findet man auf der linken Seite eine Informationstafel sowie den Wegweiser des Malerweges. Nun geht es auf dem alten und grobsteinigen Schwarzberggrundweg bergauf. Rund 250 Meter führt der Weg durch den Mischwald, bis man eine Steinmauer erreicht. Diese wird nach rechts überquert. Ihre Funktion bestand darin, die tiefer gelegenen Gebäude bei Starkregen vor Schlamm und Geröll zu schützen.
Wer nach der Mauer geradeaus weiterläuft, befindet sich bereits auf dem Haldenweg. Der Malerweg zweigt deshalb unmittelbar hinter der Mauer nach links ab. Über Treppen beginnt hier ein steiler Aufstieg. Sobald die Steigung wieder etwas nachlässt, erreicht man zwischen Birken und Kiefern die Schwarzbergaussicht. Von diesem Aussichtspunkt eröffnet sich ein schöner Blick auf Wehlen sowie auf den gegenüberliegenden Großen Bärenstein. Anschließend führt die Wanderung weiter bergauf durch Buchenwald. Nach etwas mehr als einem Kilometer erreicht man den
„Steinernen Tisch“. Der Steintisch mit den dazugehörigen Steinbänken wurde im Jahr 1710 anlässlich einer Jagd nach einer forstwirtschaftlichen Flurfestlegung aufgestellt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die derzeit nicht genutzte Waldgaststätte „Steinerner Tisch“. Als Notlösung gibt es an diesem Ort aber einen kleinen Biergarten mit Imbiss. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Gaststätte in nicht zu ferner Zukunft wieder öffnet ...
Schließlich ist die Bastei erreicht – zunächst allerdings über die Basteistraße. Von hier sind es nur noch etwa 250 Meter bis zur berühmten Basteiaussicht. Trotz der zahlreichen Besucher auf der Bastei sollte man sich zunächst nicht von Gastronomie und Souvenirgeschäften ablenken lassen, sondern direkt zur Aussicht gehen. Die alte Aussicht wurde inzwischen erneuert. Die neue, schwebende Aussichtsplattform auf dem Basteifelsen wurde am 3. Februar 2023 eingeweiht. Für Wanderer auf dem Malerweg gehört dieser Aussichtspunkt unbedingt zu einem der größten Erlebnisse der Etappe.
Die Bastei und der Amselgrund
Unmittelbar vor der Aussicht breitet sich die beeindruckende
Felsenwelt des Basteigebietes aus. Die Felswand an der Basteiaussicht erreicht eine Höhe von 194 Metern. Unterhalb der Aussicht führt die Basteibrücke zu weiteren Aussichtspunkten sowie zur Felsenburg Neurathen. Tief unterhalb liegt das Elbtal, während die markanten Tafelberge der Sächsischen Schweiz die Landschaft prägen. Diese „malerische“ Umgebung bot den sogenannten Schweizreisenden und den Künstlern aus Dresden zahlreiche Motive und Inspirationen für ihre Arbeiten.
Über den Basteiweg führt die Wanderung vorbei an der mittelalterlichen "Burganlage Neurathen" weiter bergab. Der Ort Rathen bleibt dabei auf der rechten Seite liegen. Im Tal biegt man scharf links ab und trifft bald auf die Eingangspforte und das Kassenhäuschen der Felsenbühne. Nur wenige Meter weiter liegt der
Amselsee. Hier besteht die Möglichkeit, ein Ruderboot oder ein Tretboot auszuleihen. Während der Sommermonate ist der See regelmäßig mit Zuchtforellen besetzt. Wer aus dem Boot ins Wasser fällt, dürfte aufgrund der geringen Wassertiefe kaum ertrinken. Was allerdings die Forellen von einem unfreiwilligen Badegast halten, bleibt eine andere Frage. Am linken Ufer des Amselsees führt der Weg weiter. Nach kurzer Zeit trifft man auf der linken Seite auf den Wanderweg, der aus Richtung Schwedenlöcher kommt. Dieser Weg hätte sich grundsätzlich als alternative Abstiegsroute von der Bastei angeboten. Er gehört jedoch nicht zum aktuellen Malerweg, da er nach Unwetterschäden häufig nicht begehbar ist.
Der weitere Anstieg erfolgt anschließend über große, grob gepflasterte Steine, die noch aus früheren Jahrhunderten stammen. Auf diesem Abschnitt geht es hinauf zur Amselfallbaude. Dabei ist zu beachten, dass die Amselfallbaude wegen Steinschlaggefahr gesperrt wurde. Eine Wiedereröffnung ist mittelfristig vorgesehen. Auch der
Amselfall selbst wird ähnlich wie der Lichtenhainer Wasserfall in den trockenen Monaten künstlich beziehungsweise manuell betrieben. Häufig reicht allerdings bereits die natürliche Wasserführung aus, um einen eindrucksvollen Anblick zu bieten.
Durch den oberen Amselgrund nach Rathewalde
Vom Amselfall führt die Route zunächst über Treppen und anschließend auf einem Waldweg am Grünbach entlang weiter bergauf. Dieser Abschnitt des Amselgrundes ist deutlich ruhiger als die viel besuchten Bereiche rund um die Bastei. Hier zeigt sich der Amselgrund von seiner wild-romantischen Seite. Quer über den Weg liegende Bäume und der im Tal fließende Grünbach schaffen eine besondere Atmosphäre und laden dazu ein, die Landschaft in Ruhe auf sich wirken zu lassen.
Nach ungefähr einem Kilometer vom Amselfall entfernt erreicht man Rathewalde. Der Ortseingang vom Tal aus bietet einen beinahe märchenhaften Anblick. Besonders fällt die wiederhergestellte „Rathewalder Mühle“ mit ihrem Biergarten auf. Zur Mühle gehört außerdem eine „Kapelle“, die direkt an der Bergwand steht. Bei diesem Gebäude handelt es sich um ein sogenanntes
Berganlehnhaus, wie man es beispielsweise auch aus Tirol kennt. Früher diente es Wanderern beziehungsweise Gästen der Mühle als Schlafmöglichkeit. Die Uhr am Gebäude wurde allerdings erst später angebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Ferienhaus, das gemietet werden kann. Eine über Steintreppen erreichbare Felsterrasse gehört ebenfalls dazu.
Rathewalde hält noch weitere ungewöhnliche Bauwerke bereit. Dazu zählt ein Bauernhaus, das unmittelbar am Steilhang errichtet wurde. Außerdem gibt es ein
weiteres Ferienhaus, dessen Grundstückskosten wohl kaum geringer ausfallen könnten: Das Gebäude wurde direkt in Form einer Brücke über dem Grünbach errichtet. Anschließend erreicht man den Dorfplatz. Hier befinden sich ein Gasthaus, die Kirche und ein Parkplatz. Das Malerweg-Zeichen weist bald wieder aus dem Ort hinaus in Richtung Hohnstein. Der Wanderweg führt bis zur Hohnsteiner Straße. Da diese stark befahren ist, verläuft der Wanderweg nicht direkt auf der Straße, sondern parallel dazu durch das Grüne. Über etwa 700 Meter folgt man diesem Abschnitt, bis die große Kreuzung an der ehemaligen Rennstrecke erreicht wird. Hier befindet sich auch die Hocksteinschänke.
Die historische Rennstrecke
Wer später mit dem Auto oder Motorrad zu diesem Punkt zurückkehrt, kann die historische Rundstrecke des ehemaligen Deutschlandrings befahren. Die Strecke ist anspruchsvoll und von zahlreichen Kurven geprägt. Der Deutschlandring wurde zwischen 1933 und 1939 errichtet. Teilweise waren daran auch KZ-Häftlinge aus Hohnstein beteiligt. Wegen des Kriegsausbruchs zum Zweiten Weltkriegs wurde die Rennstrecke bereits im gleichen Jahr wieder geschlossen. Die historische Strecke ist etwa zehn Kilometer lang. Von der Hocksteinschänke führt sie über Serpentinen auf der Wartenbergstraße hinunter ins Polenztal. Anschließend verläuft sie teilweise entlang der Polenz bis Heeselicht. Von dort geht es über die schräg ausgebaute Kaiserstraße, vorbei an Hohburkersdorf, wieder zurück zur Hocksteinschänke.
Im Bereich zwischen Hocksteinschänke und Hohburkersdorf waren seinerzeit große Tribünen vorgesehen. In der Nachkriegszeit fanden auf der Strecke immer wieder illegale Rennen statt. Durch verschiedene verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Schwellen und Ausbuchtungen sind solche Rennen inzwischen nahezu unmöglich.
Über den Hockstein ins Polenztal
Von der Hocksteinschänke geht es zunächst noch ein Stück parallel zur Wartenbergstraße bergab. Nach einigen Metern erreicht man den Hocksteinparkplatz. Hier findet man auch wieder die bekannten Markierungen des Malerweges. Nach etwa 250 Metern kommt man zu einer kleinen Steinbrücke (Teufelsbrücke) und anschließend zur Schutzhütte am Hockstein. Die wenige Meter entfernte
Hocksteinaussicht liegt an der äußeren Kante der Felsen, noch vor der senkrechten Schlucht. Von dieser Aussichtskanzel blickt man direkt hinunter auf die Polenz und auf das „Gasthaus Polenztal“.
Wie es angesichts der Lage zu erwarten ist, folgt nun ein steiler Abstieg ins Polenztal. Durch die legendäre
Wolfsschlucht geht es auf Stahltreppen hinunter. Die Schlucht diente Carl Maria von Weber als künstlerische Vorlage für seine Oper „Der Freischütz“. Die Felswände rücken hier so eng zusammen, dass sich entgegenkommende Wanderer teilweise gut miteinander arrangieren müssen.
Im Polenztal angekommen, sollte man sich nicht lange aufhalten. Der nächste Anstieg führt über den „Schindergraben“ hinauf zur Burgstadt Hohnstein. Der letzte Abschnitt verläuft am Bärengarten entlang. Dort sind noch Mauerreste des früheren Bärengeheges zu sehen. Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert wurden hier Bären gehalten, die für kurfürstliche Treibjagden – unter anderem im Dresdner Schlosshof – eingesetzt wurden.
Nun befindet man sich bereits unterhalb der Burg Hohnstein, die weithin sichtbar auf einem gewaltigen Felsen thront. Nur wenige Minuten später erreicht man den Marktplatz der romantischen Stadt Hohnstein. Damit ist die zweite Etappe des Malerweges beendet. Wer vor der Rückfahrt noch etwas Zeit zur Verfügung hat, sollte sich auch das Innere der Burg Hohnstein ansehen. Ebenso lohnt sich ein Besuch der Stadtkirche, die nach Plänen von George Bähr errichtet wurde.